Gonarthrose

Wenn Menschen unter Knieschmerzen leiden, stecken oft Abnutzungserscheinungen im Kniegelenk dahinter. Mediziner:innen sprechen auch von einer Gonarthrose oder Gelenkarthrose im Knie. Mehr als zehn Prozent der deutschen Bevölkerung sind betroffen.¹

Was ist Gonarthrose?

Die Kniearthrose (Gonarthrose) ist eine langsam fortschreitende, nicht primär entzündliche, degenerative Erkrankung des Kniegelenks. Sie geht mit der Zerstörung des Gelenkknorpels unter Beteiligung der Gelenkstrukturen wie Bänder, Knochen und Gelenkkapsel einher, was zu Abnutzungen und Schmerzen führt. Diese spüren Betroffene in der Regel beim Beugen der Kniegelenke, beim Treppensteigen, aber auch nach langem Sitzen oder Liegen.

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung bei Erwachsenen weltweit und kann in verschiedenen Gelenken auftreten. Vor allem im Alter von 65 bis 79 Jahren steigt das Vorkommen der Arthrose stark an. Ab dem 80. Lebensjahr sind fast die Hälfte der Frauen und knapp ein Drittel der Männer an einer Arthrose erkrankt. Bis zum 44. Lebensjahr sind es insgesamt nur circa zehn Prozent.²

Arten der Gonarthrose

Drei Knochen bilden das Kniegelenk: Der Oberschenkelknochen (Femur), das Schienbein (Tibia) und die Kniescheibe (Patella). Gelenkverschleiß entsteht am linken oder rechten Knie, manchmal auch beidseitig – aber immer zwischen den aufeinandertreffenden Knochenflächen, die jeweils mit einer glatten Schicht aus Knorpel überzogen sind.

Das Gelenk zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein besteht aus zwei Gelenkanteilen: dem inneren (medialen) und äußeren (lateralen) Bereich. Demnach spricht man von medialer (häufig bei O-Bein-Fehlstellung) und lateraler Gonarthrose (häufig bei einer X-Bein-Fehlstellung). Ist der Bereich zwischen der Kniescheibe und den darunter liegenden Gelenkflächen betroffen, spricht man von einer Retropatellararthrose.

Ursachen von Gonarthrose

Für die Entstehung einer Kniegelenksarthrose gibt es oft keinen konkreten und eindeutigen Auslöser. Allerdings existieren mehrere Faktoren, die den Verschleiß im Gelenk forcieren:

In den meisten Fällen handelt es sich also um eine sogenannte „primäre Gonarthrose“ – aufgrund des altersbedingten Knorpelmasse-Abbaus. Darüber hinaus können auch angeborene Fehlstellungen (O-Beine oder X-Beine) und bestimmte Erkrankungen oder Verletzungen Gelenkverschleiß zur Folge haben. In diesem Fall spricht man von einer „sekundären Gonarthrose“. 

Arthrose-Stadien: Schweregrade bei Gelenkverschleiß

Je nachdem, wie stark das Kniegelenk verschlissen ist, teilen Mediziner:innen die Gonarthrose in vier verschiedene Schweregrade ein (Klassifikation nach Outerbridge)³:

Die Knorpelschicht im Knie ist unbeschädigt, aber weich. 

Erste Schäden in der Knorpelzellstruktur können auftreten, die Knorpeloberfläche ist angeraut. 

Die Knorpeloberflächen sind beschädigt. Es bilden sich erste Risse. 

Totaler Knorpelverlust: Die jetzt freiliegenden Knochenflächen reiben gegeneinander. Experten sprechen von einer „Knochenglatze“.³

Risikofaktoren für Arthrose im Knie

  • Übergewicht: Die Kniegelenke sind durch das Körpergewicht sehr großen Belastungen ausgesetzt, sodass sie sich schneller abnutzen.
  • Bewegungsmangel: Bewegung ist für die Ernährung des Gelenkknorpels zwingend erforderlich: Da die Knorpelschichten nicht durchblutet werden, kann nur durch Bewegung eine ausreichende Nährstoffversorgung gewährleistet werden.
  • Angeborene Gelenkfehlstellungen: Beispielsweise X-Beine, O-Beine oder Beinlängendifferenz können eine Gonarthrose begünstigen.
  • Überlastung: Bei verletzungsanfälligen Sportarten (wie Fußball, Handball, Skifahren) kann durch vermehrte kleine oder größere Verletzungen das Risiko einer Gonarthrose ansteigen.4 Durch starke körperliche Belastung, zum Beispiel bei Fliesenleger:innen oder Bauarbeiter:innen, können die Verschleißerscheinungen ausgeprägter sein.
  • Unfälle: Ältere Knieverletzungen, insbesondere an den Menisken und Bändern, können sich ungünstig auf den Abnutzungsprozess der Gelenke auswirken und das Risiko für eine Kniearthrose erhöhen.

Symptome und Anzeichen bei Kniearthrose

Nur ein Teil der Patient:innen, bei denen durch bildgebende Verfahren Veränderungen des Gelenks festgestellt wurden, hat Funktionsstörungen oder Schmerzen. Bei Gonarthrose kann es zu akuten Entzündungszuständen kommen. Dann sprechen Mediziner:innen von einer aktivierten Gonarthrose. Diese sind meist zeitlich begrenzt und gehen mit einer Überwärmung, Rötung, Schwellung, Ergussbildung, Bewegungseinschränkung und Schmerzen einher.

Typische Anzeichen einer Kniegelenksarthrose sind:

  • Gonalgie (Schmerzen im Knie), beispielsweise beim Treppensteigen sowie beim Gehen auf unebenem Gelände.
  • Funktionseinschränkung: Die Beweglichkeit des Gelenks ist eingeschränkt.
  • Die Schmerzen sind nach längeren Ruhephasen zu Beginn der Bewegung stark (Anlaufschmerz), lassen dann langsam nach, tauchen aber nach anhaltender Belastung wieder auf (Belastungsschmerz).
  • Durch Tragen von schweren Gegenständen verstärken sich die Beschwerden.
  • Im weiteren Verlauf kann eine Schwellung sicht- und tastbar werden.
  • Im fortgeschrittenen Stadium können beim Bewegen des Knies knirschende und knackende Geräusche zu hören sein.
  • Bei feuchtkaltem Wetter ist das Gelenk besonders empfindlich.

Je weiter die Gonarthrose fortgeschritten ist, desto ausgeprägter sind die Symptome: Die Schmerzen werden im Laufe der Zeit häufiger und treten später auch in Ruhe auf. Dabei verschlechtert sich die Bewegungsfähigkeit des Knies.

Kann man Kniearthrose vorbeugen?

Um einer Gonarthrose vorzubeugen, sollten kniebelastende Aktivitäten und Verletzungen in Alltag, Beruf und Sport vermieden werden. Bei Übergewicht sind eine Gewichtsreduktion und regelmäßige Gewichtskontrolle angeraten. Bereits bestehende Stoffwechselerkrankungen und -schäden mit Auswirkungen auf den Kalziumhaushalt sollten entsprechend behandelt werden, beispielsweise das metabolische Syndrom (gemeinsames Auftreten vor Übergewicht, Bluthochdruck sowie Zucker- und Fettstoffwechselstörungen) und Diabetes mellitus Typ 2.

Diagnose Gonarthrose: So wird Kniearthrose festgestellt

Die Diagnose einer Gonarthrose basiert auf einer Kombination aus Patientengespräch (Anamnese), körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren. Die wichtigsten Diagnoseverfahren:

Bei der klinischen Untersuchung wird das Knie auf Schwellungen, Fehlstellungen, Bewegungseinschränkungen oder Geräusche (beispielsweise Knirschen) beim Bewegen überprüft. Außerdem werden die Stabilität und Beweglichkeit des Gelenks getestet.

Das wichtigste Standardverfahren zur Diagnose von Gonarthrose ist das Röntgen. Es zeigt typische Veränderungen wie eine Verschmälerung des Gelenkspalts, knöcherne Anbauten (Osteophyten) oder Veränderungen an der Gelenkfläche.

Gonarthrose-Therapie: Was hilft bei Kniearthrose?

Gonarthrose ist zwar nicht heilbar, aber es gibt zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten, die Schmerzen lindern und den Alltag erleichtern. Ein wichtiger Aspekt ist das Selbstmanagement:

Die Patient:innen sollten über die Erkrankung, Verbesserung der Lebensqualität und Mobilität aufgeklärt werden. Die Motivation der Betroffenen, sich zu beteiligen und Behandlungsverantwortung zu übernehmen, beispielsweise mit gesunder Ernährung, einer nachhaltigen Gewichtsabnahme und regelmäßiger körperlicher Aktivität, ist mitentscheidend für den Beschwerde- und Krankheitsverlauf.

Therapiemaßnahmen bei Arthrose im Knie

Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie empfiehlt unter anderem folgende Therapiemaßnahmen:⁴

  • Physio- / Bewegungstherapie, zum Beispiel Wassergymnastik
  • Medikamente: Kurzfristige Anwendung, unterstützend zur Bewegungstherapie (Schmerzmittel in Form von Salben, Entzündungshemmer)
  • Orthopädische Hilfsmittel (beispielsweise Einlagen, Bandagen, Orthesen)
  • Gelenkerhaltend: Die natürliche Gelenkstruktur wird repariert und erhalten.
  • Gelenkersatz: Patient:innen erhalten eine Endoprothese.

Je nach Stadium der Erkrankung und dem Leidensdruck der betroffenen Person sollte die Operation erst erwogen werden, wenn die konservative Therapie keine ausreichende Verbesserung erbracht hat. Während die gelenkersetzende Therapie (Knieendoprothese) am Ende der Behandlungskette steht, können gelenkerhaltende Operationen auch in frühen Arthrose-Stadien und bei nicht sehr starken Beschwerden indiziert sein, um den Progress der Gonarthrose zu verlangsamen.

Die Therapiemaßnahmen hängen von patientenindividuellen Kriterien und vom Stadium der Gonarthrose ab. Lassen Sie sich dazu ärztlich beraten.

Ernährung bei Gonarthrose

Ist ein Mensch über mehrere Jahre übergewichtig, kann das die Gelenke schädigen. Das Risiko, an einer Arthrose zu erkranken, ist dann deutlich erhöht. Daher wird Menschen mit erhöhtem Arthrose-Risiko oder bereits bestehender Gonarthrose empfohlen abzunehmen. Übergewicht beginnt bei einem BMI (Body-Maß-Index) von 25. Ab einem BMI von 30 spricht man von einem starken Übergewicht, der sogenannten Adipositas. Bei der Ernährung sollte auf eine anti-inflammatorische (entzündungshemmende) Ernährung geachtet werden. Eine Ernährungsumstellung kann die Erkrankung zwar nicht heilen, aber sie kann deren Verlauf günstig beeinflussen.

Sport und Bewegung bei Gonarthrose

Regelmäßige, angeleitete Bewegungsübungen werden am besten unter Gelenkentlastung ausgeführt (Training im Liegen, Aquatraining). Sie zielen neben schmerzarmer Mobilität des Kniegelenks auf Dehnung, Muskelkräftigung und Koordination des Bewegungsablaufs ab. Bitte sprechen Sie Ihr Sport- und Bewegungsprogramm ärztlich ab.

Günstige Sportarten mit sanften Bewegungen:

  • Schwimmen
  • Wassergymnastik
  • Radfahren
  • Golf
  • Skilanglauf
  • Walken

Ungünstige Sportarten:

  • Fußball
  • Alpin Ski
  • Handball

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Quellen

¹ Schmidt, C. O. et al. Häufigkeiten muskuloskelettaler Symptome und Erkrankungen in der bevölkerungsbezogenen NAKO Gesundheitsstudie. Bundesgesundheitsbl 2020;63(4):415-425

² Heidemann C et al. Gesundheitliche Lage von Erwachsenen in Deutschland – Ergebnisse zu ausgewählten Indikatoren der Studie GEDA 2019/2020-EHIS (2021). Journal of Health Monitoring 6(3):3-27

³ Slattery C, Kweon CY. Classifications in Brief: Outerbridge Classification of Chondral Lesions. Clin Orthop Relat Res. 2018;476(10):2101-2104

⁴ Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. Prävention und Therapie der Gonarthrose Version 5.0, 15.07.2024. Online veröffentlicht unter: register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-050 (Letzter Zugriff 03.07.2025)

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