Lymphödem

Stauung im Gewebe

Lymphödem

Lymphödem

Das Lymphsystem in unserem Körper steht mit dem Herz-Kreislauf-System in Verbindung und ist von großer Bedeutung für unseren Organismus. Es ist ein Teil des Abwehrsystems und somit sehr wichtig für unser körperliches Befinden. Bei gesunden Menschen hält sich das Lymphsystem im Hintergrund. Es fällt erst auf, wenn es Probleme gibt, wie beispielsweise ein Lymphödem.

Entstehung eines Lymphödems

Die Lymphgefäße verteilen sich wie Blutgefäße im ganzen Körper und sind für den Transport von Stoffwechselprodukten verantwortlich. Wenn es zu einer Stauung der Lymphflüssigkeit in den Armen oder Beinen kommt und sie somit Anschwellen, handelt es sich um ein Lymphödem. Es kommt zu Schwellungen bei Armen und Beinen.

Die gute Nachricht ist, dass man auch mit Lymphödem mit der passenden Therapie und der richtigen Einstellung sein Leben weiterhin gut meistern kann. Lymphödeme sprechen auf Behandlungen an, sie können abgebaut oder zumindest stabil gehalten werden. Auch wenn Sie ein Lymphödem haben, steht einer aktiven Gestaltung Ihres Lebens nichts im Wege.

Das Lymphgefäßsystem – die „Autobahn für den Stoffwechsel“ unseres Körpers

Das Lymphgefäßsystem ist für das tägliche „Funktionieren“ unseres Körpers essentiell: Die Lymphgefäße sind netzartig im ganzen Körper verbreitet. Ihre Aufgabe sind das Sammeln, der Transport und die Filterung der Stoffe, die in der Gewebsflüssigkeit gelöst sind. Dazu gehören beispielsweise Bluteiweiße, Nahrungsfette, Stoffwechsel- oder Entzündungsprodukte. Das Lymphsystem fungiert hier als „Müllabfuhr für Sondermüll“ und transportiert täglich bis zu vier Liter Lymphe aus dem Gewebe und spielt so eine wichtige Rolle für das Immunsystem.

Arten von Lymphödemen

Lymphödeme treten in zwei Formen auf:

Primäres Lymphödem:

Primäre Lymphödeme hat man von Geburt an, weil z. B. Lymphbahnen oder Lymphknoten nicht oder nur teilweise angelegt sind. Andere Ursachen können das Parkes-Weber-Syndrom oder das Klippel-Trénaunay-Syndrom sein.

Parkes-Weber-Syndrom 
Dieses Syndrom ist eine komplizierte angeborene Fehlbildung der Gefäße (Angiodysplasie), die entsteht, wenn eine Vene und eine Arterie unnatürlicherweise direkt verbunden sind (arteriovenöse Fistel). Dadurch wird ein örtlich begrenzter Riesenwuchs der unteren Gliedmaßen (Hypertrophie der Knochen und Weichteile) verursacht. An der betroffen Stelle tritt häufig ein Feuermal auf (Naevus flammeus). Häufig bildet sich im Bein ein Lymphödem, wodurch die Ungleichheit der beiden Beine noch größer wird.

Klippel-Trénaunay-Syndrom 
Es gibt viele Übereinstimmungen mit dem Parkes-Weber-Syndrom, allerdings ist beim Klippel-Trénaunay-Syndrom die Ursache für die Art der Gefäßfehlbildung nicht restlos bekannt. Die Symptome der beiden Syndrome ähneln sich: Riesenwuchs bei der betroffenen Extremität, ein Feuermal an der betroffenen Stelle und Krampfadern (Varizen).

Achtung: Es ist sehr wichtig, die Syndrome voneinander abzugrenzen, da sie eine unterschiedliche Behandlung erfordern. Das Parkes-Weber-Syndrom ist chirurgisch behandelbar (z. B. durch Embolisation), beim Klippel-Trénaunay-Syndrom wird eine konservative Therapie angewandt.

Sekundäres Lymphödem:

Sekundäre Lymphödeme sind nicht angeboren, sondern treten erst später auf. Sie können durch Verletzungen, Operationen oder Infektionen verursacht werden.

Lymphödem nach Brustkrebseingriffen 
Brustkrebs ist mit über 5.000 Neuerkrankungen pro Jahr und einem Anteil von etwa 30 % an allen Tumoren die häufigste Krebsart bei Frauen in Österreich.1 Da bei der Behandlung axilläre Lymphknoten entfernt werden und eine adjuvante Strahlentherapie angewandt wird, leiden viele Betroffenen an einem Lymphödem.

Risikofaktoren
Im Zuge der Chemotherapie kommt es oft zu einer Bestrahlung oder Entfernung der Lymphknoten. Das hat Auswirkungen auf das Lymphsystem und kann ein Lymphödem nach sich ziehen. Weitere Einflussfaktoren, wie z. B. Alter oder Geschlecht, können Lymphödeme zusätzlich begünstigen. Es gibt eine Vielzahl an Auslösern. Manchmal verursachen bestehende Venenleiden ein Lymphödem. Ein häufiger Grund ist auch Bewegungsmangel.

Gut zu wissen: Bei der Therapie gegen Lymphödeme gibt es ein wirksames Repertoire zur Schmerzlinderung, wodurch Patienten wieder mobiler werden und das Leben besser genießen können.

Symptome

Das „Stemmersche Zeichen“ ist ein verlässliches Mittel zur Erkennung von Lymphödemen. Heben Sie eine Hautfalte an, zum Beispiel bei einer Zehe:

Positives Stemmersches Zeichen: Lässt sich die Hautfalte überhaupt nicht oder nur sehr schwer anheben, handelt es sich um ein „positives Stemmerschen Zeichen“, was ein Symptom eines Lymphödems ist. Weitere Anzeichen für Lymphödeme sind eine sehr pralle Haut und Vertiefungen an den natürlichen Hautfalten bei Gelenken und Schwellungen an Hand- und Fußrücken.

Negatives Stemmersches Zeichen: Ein negatives Ergebnis weist häufig auf ein Lipödem hin.

Es ist auf jeden Fall zu empfehlen, einen Arzt hinzuzuziehen, damit dieser passende Therapien zur Reduktion oder Stabilisierung des Ödems verordnen kann. Ein möglichst früher Therapiebeginn erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Ödem nicht weiter voranschreitet.

Lymphödemstadien

Lymphödem Stadium 0:

Es gibt Schädigungen an den Lymphgefäßen, aber es treten noch keine Schwellungen auf.

Lymphödem Stadium 1:

Schwellungen entstehen über den Tag hinweg, die bei Hochlagern reduziert werden können. Das Ödem kann leicht eingedrückt werden und die entstehende Delle hält sich eine Zeit lang.

Lymphödem Stadium 2:

Die betroffenen Stellen schwellen auch nach Ruhephasen nicht mehr ab. Die Haut ist sehr prall und lässt sich kaum oder nur mit großer Kraft eindrücken. Ein Hochlagern beeinflusst die Schwellung nicht.

Lymphödem Stadium 3:

Die Schwellungen weisen Hautveränderungen auf (z. B. mit Lymphflüssigkeit gefüllte Bläschen). In der am weitest fortgeschrittenen Ausprägung nennt man dieses Stadium „Elephantiasis“.

So bekommen Sie Ihr Lymphödem „in den Griff“

Wenn Sie bereits ein Lymphödem haben, können Sie mit den folgenden Tipps Ihre tägliche Lebensqualität erhöhen.

  • Bequeme Kleidung: Tragen Sie lockere, komfortable Kleidung, bei der nichts zwickt oder zwackt.
  • Hautpflege: Achten Sie auf eine gründliche Hautpflege und verwenden Sie nur pH-neutrale Mittel.
  • Gewicht: Wenn Sie es schaffen, ein paar überflüssige Kilos loszuwerden, steigert sich Ihr Wohlbefinden.
  • Entstauung: Erkundigen Sie sich bei Ihrem Hausarzt oder bei Ihrer Krankenkasse nach Gymnastikübungen zur Entstauung.
  • Prophylaxe: Vermeiden Sie Verletzungen an der Haut oder den Nägeln.
  • Stressvermeidung: Versuchen Sie Stress und großer Kälte auszuweichen, da beides zu Gefäßverengungen führt.

Ausgedehntes Sonnen, Saunabesuche oder heiße Bäder erweitern die Gefäße, wovon ebenfalls abgeraten werden muss.

Was noch wichtig ist: Durch eine behutsame Lymphdrainage wird das Lymphsystem entlastet. Hingegen wirken sich Massagen, bei denen der Körper stark „durchgeknetet“ wird, eher negativ aus.

Ein letzter Tipp: Kompressionsstrümpfe sollten konsequent bei allen körperlichen Aktivitäten getragen werden, vor allem beim Sporteln.

Lymphödem im Alltag – Aufklärung, Therapie, Lebensqualität

Ein Lymphödem führt zu einer Veränderung des ganzen Lebens. Es ist eine chronische Erkrankung, die die Patienten immer begleitet, sei es in der Arbeit oder in der Freizeit.

Unser Video zeigt Ihnen den optimalen Umgang mit dieser Krankheit, passende Therapien und nützliche Tipps für jeden Tag.

Was ist die passende Therapie für ein Lymphödem?

Während ein Lymphödem eine chronische Krankheit ist, kann man mit der passenden Behandlung vieles verbessern. In dieser Hinsicht ist vor allem die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) zu empfehlen.

Diese Therapie stellt die effektivste Behandlungsmethode von Lymphödemen dar. Dabei werden milde mechanische Reize ausgeübt, die die Lymphgefäße dazu anregen sollen, die Lymphflüssigkeit besser aus dem Gewebe abzutransportieren. Die komplexe physikalische Entstauungstherapie umfasst zwei Phasen:

Phase 1 – Entstauungsphase

Phase 1 zielt auf die Entstauung der betroffenen Extremitäten ab sowie auf die Reduzierung ihres Umfangs.

An erster Stelle kommen dabei die Pflege und Hygiene der Haut. Die entsprechenden Stellen werden gründlich gepflegt und gereinigt. Eine Behandlung von Hauterkrankungen, wie Fußpilz oder Hauteinrisse, ist unerlässlich, da Entzündungen dem Lymphsystem zusätzlich zusetzen. Als nächster Schritt wird eine manuelle Lymphdrainage des ganzen Körpers durchgeführt, um den Abtransport der Lymphflüssigkeit anzuregen. Ganz wichtig ist es, nach der Behandlung jedes Mal einen Kompressionsverband mit Bandagen anzulegen, da sonst nach etwa zwei Stunden das Lymphödem gleich wieder anschwellen würde.

In der Entstauungsphase sollte man darauf achten, sich gleich nach der manuellen Lymphdrainage und mit angelegter Kompressionsversorgung ausreichend zu bewegen.

Großer Wert sollte auch auf eine angemessene Hautpflege und Hygiene gelegt werden. Dafür eignen sich ausschließlich pH-neutrale Produkte.

Phase 1 der komplexen physikalischen Entstauungstherapie ist nach ca. drei bis sechs Wochen vorbei. Die genaue Zeitdauer hängt von der erfolgreichen Entstauung ab. Zur Erhaltungsphase kann erst übergegangen werden, wenn sich der Umfang der betroffenen Körperstellen nicht weiter reduzieren lässt.

Phase 2 – Erhaltungsphase

Bei der Erhaltungsphase der komplexen physikalischen Entstauungstherapie geht es um die Aufrechterhaltung der Ergebnisse der Entstauungsphase. Sie besteht aus denselben Teilen wie die Entstauungsphase:

  • Hygiene
  • Lymphdrainage
  • Kompression
  • Bewegung

In dieser Phase wird die Durchführung einer manuellen Lymphdrainage zweimal wöchentlich in der Sommerzeit und mindestens einmal wöchentlich in der Winterzeit empfohlen. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen, -handteilen, -armteilen oder -zehenkappen ist weiter ein wichtiger Bestandteil der Therapie.

Statt des Kompressionsverbands wird nun ein Kompressionsstrumpf getragen. Üblicherweise werden flachgestrickte Modelle verwendet. Dabei handelt es sich um Kompressionsstrümpfe mit einer Naht, die aus festerem, also weniger elastischem Material gefertigt sind als rundgestrickte Strümpfe. Rundstrickprodukte werden häufiger bei Venenleiden wie beispielsweise Krampfadern eingesetzt.

Auch in dieser Phase spielen Behandlungsmaßnahmen wie Hautpflege und Gymnastik eine wichtige Rolle.

Lymphdrainage – „Entstauungsmassage“"

Die manuelle Lymphdrainage ist eine spezielle Art der Massage, bei der das Lymphsystem Lymphsystems zum besseren Flüssigkeitstransport angeregt wird.

Die Behandlung erfolgt immer am ganzen Körper.

Der Masseur beginnt am Hals, weil dort die großen Lymphsammelgefäße in die Schlüsselbeinvenen münden. Dadurch wird der Lymphfluss in den großen Lymphgefäßen in Gang gesetzt und der Abfluss aus den kleineren Gefäßen erleichtert. Anschließend werden der Rumpf und die Gliedmaßen massiert.

Entscheidende Faktoren bei der Ödemtherapie: sorgfältige Hautpflege und Körperhygiene

Die Haut vieler Lymphpatienten ist besonders empfindlich, da es der obersten Hautschicht an der Versorgung mit Mineralstoffen, Feuchtigkeit und Vitaminen fehlt. Dadurch ist die Haut dünn und trocken und reißt leicht ein, weshalb sie ihrer Funktion als natürliche Barriere nicht mehr nachkommen kann. Sie können Ihre Haut am besten schützen, indem Sie sie mit den auf Sie zugeschnittenen Produkten pflegen und auf eine sorgfältige Körperhygiene achten. Das ist entscheidend für die Behandlung von Ödemen, da die Barrierefunktion der Haut aufrechterhalten werden muss und um Austrocknung und Entzündungen zu vermeiden. Die Pflegeserie von medi wurde eigens für die speziellen Anforderungen von Lymphpatienten zusammengestellt. medi Tipp: Bei Ödemen sollte jede kleine Hautirritation beachtet und bei Bedarf ein Hautarzt konsultiert werden.

Kompressionsstrümpfe aus Flachstrick für die Erhaltungsphase

Sanitätshaus

Im Sanitätshaus werden die Strümpfe ausgemessen

 

Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe sorgen in der Erhaltungsphase für gleichbleibende Druckausübung auf Beinen oder Armen. Dabei drücken sich nicht auf Hautfalten, um diese nicht einzuschnüren. Kompressionsstrümpfe können per Rezept in Sanitätshäusern (oder anderen medizinischen Fachgeschäften) bezogen werden. Dort werden Arme und Beine genau vermessen, um Sie mit maßgefertigen Strümpfen zu versorgen.

Kompressionsstrümpfe können ihre volle Wirkung nur entfalten, wenn Sie konsequent getragen werden. Nur so kann ein anhaltender Effekt erzielt werden, der ein Fortschreiten des Lymphödems verhindert. Die Behandlung kann medikamentös unterstützt werden. Bei Bedarf erhalten Sie ein entsprechendes Rezept von Ihrem Arzt.

Abschließend muss man feststellen, dass Lymphödeme zwar nicht geheilt werden können, dass aber die komplexe physikalische Entstauungstherapie sehr wirksam ist. Kompressionsstrümpfe gibt es in trendigen Mustern und Farben und sie passen zu jeder Garderobe.

Wenn sie geschwollene Arme und Beine haben, nehmen Sie das nicht auf die leichte Schulter, sondern konsultieren Sie einen Arzt. Am besten gehen Sie zu einem Facharzt für „Phlebologie“ oder „Lymphologie“ – das sind Spezialisten für Krankheiten der Venen bzw. des Lymphsystems. Der Facharzt kann Ihnen bei Bedarf die notwendige Therapie verschreiben (z. B. Lymphdrainage oder Kompressionsstrümpfe).

Produkte von medi

Erfahren Sie hier mehr über die Kompressionsstrümpfe für die Ödembehandlung von medi.

Der Arzt stellt die Diagnose und entscheidet über die Therapie. Bei Notwendigkeit kann er medizinische Hilfsmittel (z. B. von medi) verordnen. Im medizinischen Fachhandel wird der Patient von geschultem Personal vermessen und erhält sein medizinisches Hilfsmittel für seine individuellen Bedürfnisse.

Hier geht's zur Arztsuche.

Quelle

1 Studie Statistik Austria: Brust, Online veröfftentlicht unter: https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/gesundheit/krebserkrankungen/brust/index.html (letzter Zugriff: 15.01.2019)